In Kalenderwoche 29 stehen drei Entwicklungen im Mittelpunkt: IBM warnt vor einer Verlagerung von IT-Budgets in KI-Infrastruktur, OpenAI arbeitet Berichten zufolge an einem ersten eigenen Verbrauchergerät und die US-Regierung baut die Zusammenarbeit zwischen KI-Anbietern und Betreibern kritischer Infrastruktur im Bereich Cybersicherheit aus.
Das Wichtigste in Kürze
- IBM berichtet, dass Kunden kurzfristig Ausgaben von Software und Beratung in Server, Speicher, Chips und Netzwerktechnik verschieben.
- OpenAIs erstes Verbrauchergerät soll laut einem Medienbericht ein tragbarer, bildschirmloser KI-Lautsprecher mit Kamera und Sensoren werden.
- Die US-Regierung richtet eine Koordinierungsgruppe ein, in der KI-Entwickler und Betreiber kritischer Dienste Informationen über gefundene Schwachstellen austauschen sollen.
- Für Unternehmen werden belastbare Wirtschaftlichkeitsrechnungen, Sicherheitskonzepte und klare Verantwortlichkeiten beim KI-Einsatz wichtiger.
Die wichtigsten Entwicklungen
IBM sieht eine kurzfristige Verschiebung von Softwarebudgets
IBM hat Anleger darüber informiert, dass Kunden in den letzten Juniwochen Teile ihrer Investitionsbudgets kurzfristig in Server, Speicher, Chips und Netzwerktechnik umgeschichtet haben. Hintergrund seien knappe Lieferkapazitäten und erwartete Preissteigerungen bei KI-Infrastruktur.
Nach Angaben des Konzerns wurden dadurch mehrere größere Abschlüsse nicht wie erwartet im Quartal abgeschlossen. IBM stellte für das zweite Quartal nur noch ein Umsatzwachstum von rund einem Prozent in Aussicht. Die Aktie reagierte mit einem deutlichen Kursverlust; auch andere Softwarewerte gerieten zeitweise unter Druck.
IBM betonte zugleich, dass ein erheblicher Teil der Schwäche aus dem Mainframe- und Infrastrukturgeschäft stamme. Die Meldung ist deshalb kein Beleg für einen allgemeinen Zusammenbruch des Software-as-a-Service-Marktes.
OpenAI arbeitet Berichten zufolge an einem eigenen KI-Gerät
OpenAIs erstes Verbrauchergerät soll laut einem Bericht von Bloomberg, den Reuters aufgegriffen hat, ein tragbarer, bildschirmloser Lautsprecher werden. Das Produkt befinde sich noch in der Entwicklung und solle als persönlicher KI-Begleiter für den Einsatz zu Hause dienen.
Genannt werden Funktionen wie die Steuerung von Smart-Home-Geräten, Medienwiedergabe, das Beantworten von Fragen, Nachrichtenfunktionen und der Zugriff auf ChatGPT. Eine Kamera und weitere Sensoren sollen dem System helfen, den Kontext und die Umgebung eines Nutzers zu erfassen.
OpenAI hatte im Vorjahr das von Jony Ive mitgegründete Hardwareunternehmen io übernommen. OpenAI selbst äußerte sich zunächst nicht zu den konkreten Angaben des Berichts.
USA richten Koordinierungsgruppe für KI-Sicherheitsfunde ein
Die US-Regierung hat die Einrichtung einer neuen Koordinierungsgruppe angekündigt. Sie soll Entwickler leistungsfähiger KI-Systeme mit Betreibern wichtiger Dienste und staatlichen Stellen zusammenbringen.
Ziel ist es, Informationen über Schwachstellen in Software und Infrastruktur, die mithilfe fortgeschrittener KI-Systeme entdeckt werden, schneller auszutauschen und Reaktionen besser zu koordinieren. Im Fokus stehen unter anderem kritische Bereiche wie Finanzen, Gesundheitswesen und Energie.
Nach dem Bericht sollen sich neben staatlichen Stellen auch mehrere große KI- und Technologieunternehmen beteiligen.
Was die Meldungen für den Markt bedeuten
Die drei Entwicklungen betreffen unterschiedliche Bereiche, zeigen aber eine gemeinsame Richtung: KI wird nicht mehr nur als zusätzliche Softwarefunktion betrachtet. Sie verändert Investitionsentscheidungen, Endgeräte und Sicherheitsprozesse.
| Bereich | Entwicklung | Relevanz |
|---|---|---|
| IT-Budgets | Infrastruktur, Rechenleistung und Sicherheit konkurrieren stärker mit klassischen Software- und Beratungsprojekten. | Hoch |
| KI-Endgeräte | Modellanbieter versuchen, eigene Nutzungsschnittstellen und neue Erlösquellen jenseits von Browser und Smartphone aufzubauen. | Mittel |
| Cybersicherheit | KI kann Schwachstellen schneller aufdecken, erfordert aber klare Meldewege, Zuständigkeiten und koordinierte Reaktionen. | Hoch |
Unsere Einschätzung der Woche
Die wichtigste Meldung für den Business-Software-Markt ist die Warnung von IBM. Sie zeigt, dass selbst große IT-Budgets nicht unbegrenzt sind. Wenn Unternehmen kurzfristig Rechenleistung, Speicher und Sicherheitsmaßnahmen priorisieren, müssen andere Projekte überzeugender begründet oder zeitlich verschoben werden.
Daraus folgt jedoch nicht, dass klassische Unternehmenssoftware grundsätzlich an Bedeutung verliert. Besonders geschäftskritische, regulierte und tief integrierte Systeme lassen sich nicht kurzfristig durch einzelne KI-Agenten ersetzen.
Wahrscheinlicher ist eine stärkere Bereinigung des Softwarebestands: Überschneidungen werden geprüft, Lizenzen konsolidiert und neue KI-Funktionen müssen einen nachvollziehbaren Nutzen zeigen.
OpenAIs Hardwarepläne und die neue US-Koordinierungsgruppe zeigen außerdem, dass sich der Wettbewerb zunehmend auf Geräte, Infrastruktur, Governance und Sicherheit ausweitet.
Was Unternehmen jetzt prüfen sollten
Software- und Infrastrukturprojekte gemeinsam priorisieren
Budgets für Anwendungen, Datenplattformen, Sicherheit und Rechenleistung sollten nicht getrennt betrachtet werden. Entscheidend ist der Nutzen des gesamten Prozesses, nicht nur der Preis eines einzelnen Tools.
Überschneidungen und ungenutzte Lizenzen erfassen
Viele CRM-, Projektmanagement-, Marketing- und Kollaborationslösungen bieten inzwischen ähnliche Automatisierungs- und KI-Funktionen. Eine Bestandsaufnahme schafft Spielraum für wichtigere Investitionen.
Meldewege für KI-gefundene Schwachstellen definieren
Unternehmen sollten festlegen, wer Ergebnisse automatisierter Sicherheitsprüfungen bewertet, welche Funde eskaliert werden und wie schnell kritische Schwachstellen behoben werden müssen.